translatehomeGustav Mahler Sinfonien Nr. 5 und Nr. 10 (Rekonstruktion: R. Barshai)
Tonmeister Jürg Jecklins Stellungnahme

Mahler/Barshai Gustav Mahler

Sinfonien Nr. 5 und Nr. 10 (Rekonstruktion: Barshai)
Junge Deutsche Philharmonie, Ltg.: Rudolf Barshai
Brillant Classics/Joan Records 92205
(2 CDs, 143 Min., aufgenommen 1999 u. 9/2001)

Franz schrieb:

"Ich habe die 10. Mahler zusammen mit der von der Kritik über den grünen Klee gelobten 5. unter Barshai auf Brilliant Classics. Ich habe sie bisher zu selten gehört um ein differenziertes Urteil zu fällen.

Erster Eindruck: Musikalisch hochinteressant und fesselnd, was allerdings Altmeister Jürg Jecklin da am Mischpult veranstaltet hat ist ärgerlich. Nicht nur daß da oft Bässe fehlen, der künstliche Klang, das dauernde Verschieben der Balance stört besonders beim Hören per Kopfhörer immens".

Ich stimme mit diesem Urteil von Franz voll überein. Allerdings habe nicht ich dieses Debakel verursacht. Bei der auf CD erschienen Aufnahme handelt es sich um einen Zusammenschnitt von rund 10 Konzertaufnahmen, die im Rahmen einer Tournee der jungen deutschen Philharmonie an 10 verschiedenen Orten von 8 verschiedenen Tonmeistern gemacht worden sind. Von mir stammen zwei dieser Aufnahmen, von denen aber nicht sehr viel in den endgültigen Zusammenschnitt eingeflossen ist. Barshai hat während der Tournee ständig die Instrumentierung verändert, wobei er auf der endgültigen Fassung auch die endgültige Instrumentierung haben wollte. Ich hätte diesen Zusammenschnitt machen sollen (unter anderem auch mit Material auf einer Musikassette), habe mich aber im Hinblick auf das zu erwartende Ergebnis (siehe Kritik) geweigert dies zu tun. Die Folge war ein Streit, der das vorher bestehende persönliche Verhältnis zwischen R. Barshai und mir beendet hat. Ich habe seither keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt. Der Zusammenschnitt wurde dann irgendwo in den USA nach den Wünschen von R. Barshai gemacht. Vermutlich steht mein Name auf der CD, weil ich der bekannteste der beteiligten Tonmeister war.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Tonmeister und den Musikern ist Vertrauenssache. Deshalb darf ein Tonmeister keine Details der Zusammenarbeit an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Ich breche also zum ersten Mal in meinem Berufsleben ein Tabu. Da sich die ganze Geschichte für mich aber rufschädigend auswirkt, breche ich zum ersten Mal (und hoffentlich auch zum letzten Mal) dieses Tabu.

Ich hoffe, dass man mir diese unglaubliche Geschichte, die aber wirklich so geschehen ist, glaubt. Andernfalls kann sie das Sekretariat der Jungen Deutschen Philharmonie bestätigen.

Jürg Jecklin

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